Stadion Letzigrund

Im Auftrag der Stadt Zürich erstellte die Implenia Generalunternehmung AG das neue Stadion Letzigrund in zwei Phasen. Das Projekt erforderte eine ausgeklügelte Baustellenlogistik.

„Der neue Letzigrund hat Menschen zusammengeführt, die etwas Einmaliges für Zürich schaffen wollen.“  Diese Worte von Stadträtin Martelli anlässlich des Spatenstichs standen am Anfang eines aussergewöhnlichen Projektes – gültig waren sie während des gesamten Bauprojekts, gültig sind sie noch heute. „Der Start ist gelungen, unsere Teams sind motiviert. Wir wollen sicherstellen, dass sowohl das grossartige Weltklasse Meeting als auch die EURO 08 in Zürich stattfinden können. Das ist keine einfache Aufgabe, aber ich weiss, dass unsere Mannen das schaffen werden. In diesem Sinne ist der Neubau Letzigrund nach dem St. Jakob-Park in Basel und dem Stadion La Praille in Genf ein weiteres Beispiel für unsere Kompetenz im Stadionbau“  waren die seinerzeitigen Worte von Hans-Peter Domanig, CEO Implenia Real Estate.

Vom Aushub zum Beton
Sofort nach dem Spatenstich vom 15. November 2005 begann die Implenia mit dem Aushub. Insgesamt wurden rund 300'000 m3 an Aushubmassen bewegt – ein Teil davon wurde direkt auf der Baustelle zu Beton verarbeitet. Das Aushubmaterial wurde in die verschiedenen Fraktile ausgesiebt und entsprechend den Anforderungen neu zusammengemischt. Implenia hat eigens für diese Aufbereitung eine mobile Kiesaufbereitungsanlage installiert.

Einerseits konnten die 30'000 m3 Beton weitgehend aus dem Limmatschotter hergestellt werden, anderseits haben sich dadurch die Lastwagenfahrten und die damit verbundenen Immissionen drastisch reduziert.

Der Rohbau in Etappen
Noch während die Fussballmeisterschaft im Gange war, wurde mit dem Rohbau begonnen. Die Herausforderung war, auf Grund der engen Termine keine Zeit zu verlieren, sofort mit den Bauarbeiten zu beginnen aber trotzdem noch den Spielbetrieb und das Leichtathletik-Meeting 2006 im Letzigrund durchzuführen.

Unmittelbar nach dem letzten Spiel des FCZ am 6. Mai 2006 konnte mit den Bauarbeiten im Süden des alten Stadions begonnen werden. Bis zum 18. August 2006, dem Datum des Weltklassemeetings, musste das alte Stadion in Betrieb bleiben. Zu diesem Zwecke wurde eine Rühlwand erstellt, damit die Rohbauarbeiten an der Haupttribüne im Westen vorgenommen werden konnten.

Die Tribünen
Der Winter 06/07 war eine kritische Phase, denn über die Wintermonate mussten die Tribünen auf der Nord-, Ost- und Südseite erstellt werden. Das milde Wetter kam den Bauleuten entgegen, so dass auch diese Arbeiten zeitgerecht vorgenommen werden konnten.

Der Rasen
Bereits 2 Monate vor dem Abbruch, bevor die Fans den alten Letzigrund-Rasen in ihre Pizzaschachteln abfüllten, wurde der Rasen auf einer spezialisierten Farm bei Ingolstadt (D) angesät. Es wurden zwei Gräserarten zu unterschiedlichen Zeiten eingesät – eine Sorte, die schnell keimt, eine zweite, die langsamer wächst. Um der langsam keimenden Sorte den Vorrang zu geben, wurde die schnelle Sorte zu einem späteren Zeitpunkt nachgesät.

In der Folge wurde der Rasen 3x pro Woche gemäht, wobei das Schnittgut nicht mit Rechen entfernt, sondern abgesaugt wurde. Weil sich auch ein Rasen daran gewöhnen muss, dass er mit den Füssen getreten wird, wurde er mit eigens hergestellten Stollenwalzen ständig malträtiert.

Am 6. August 2007 wurde er in Rollen angeliefert und in Gegenwart der Medien ausgerollt.

Die tanzenden Stützen – das fliegende Dach 
Anfangs Juni 2006 wurden die berühmten  „tanzenden Stützen“ aufgestellt. Jede einzelne der 31 Stützenpaare musste unter der Aufsicht eines Geometers millimetergenau eingepasst werden. Wäre hier ein Fehler entstanden, er hätte nicht mehr korrigiert werden können. Insgesamt ist so die Impression eines fliegenden Daches entstanden.

Für diesen Stahlbau hat das Projekt „Neubau Stadion Letzigrund“ bereits eine erste Auszeichnung erhalten: Den Prix d’Acier des Stahlbau Zentrum Schweiz SZS. Das neue Stadion Letzigrund wurde als Stahlbau des Jahres 2007 qualifiziert.

Die magische Piste
Die Laufbahn auf dem Letzigrund war weltberühmt. Viele Athleten richteten ihre Form auf das Zürcher Meeting aus, um hier Weltrekord laufen zu können. Die neue Piste soll ebenso magisch werden. Mit dem Conipur-M Belag wurde ein dreilagiges, vollständig durchgefärbtes Massivkunststoffbelags-System mit einer Schichtdicke von 14 mm gewählt. Das Produkt ist „Swiss made“ und vom Internationalen Leichtathletikverband zertifiziert.

Ende Juli/anfangs August wurde das flüssige Granulat eingegossen, über Nacht gehärtet und am folgenden Morgen abgekehrt. Anschliessend wurde der Prozess wiederholt. Weil während der Dauer dieses Prozesses kein Regen fallen darf, mussten immer wieder die sonnigen Wochenende dafür eingesetzt werden.
 

Funktionalität und Sicherheit
Im Bereiche der Sicherheit besticht das neue Stadion durch modernste Technologien, eine entsprechende Akustik und ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept mit Stadion- und Videoüberwachung.

Der Funktionalität wurde insgesamt ein hoher Stellenwert eingeräumt und so hat das Stadion ein Innenleben, das seinesgleichen sucht. Eine Laufbahn im Stadioninnern ermöglicht es den Athleten, die 100 m Strecke voll durchzulaufen. Für das Aufwärmen, Einlaufen wie auch für das Schlechtwetter-Training besteht eine Turnhalle. Die Spielerkabinen sind in jeweils unterschiedlichen, stimulierenden Farben gehalten. Die Kleiderkasten sind aus Holz, die Böden aus Parkett oder anthrazitfarbenen Belägen.

Skeptisch waren viele bis zuletzt gegenüber der Farbe der Stühle. Sollte Zürich nicht eine blaue Piste mit blauen Stühlen erhalten? Die Montage der Stühle im Zusammenspiel mit der roten Piste ergibt eine ausgewogene gestalterische Harmonie, die sich in der Farbe der Dachunterseite fortsetzt.

Die Ökologie

Implenia hat mit dem neuen Letzigrund ein auch ökologisch vorbildliches Bauprojekt erstellt:

  • Verwendung des Aushubmaterials für die Betonaufbereitung auf dem Baugelände, dadurch Reduktion der Lkw-Fahrten.
  • Sorgfältiger Rückbau, 94% des alten Letzis wurden recycliert.
  • Alle Lastwagen nach Abgasnorm Euro 3. Radwaschanlage gegen Verschmutzung der Strassen. 
  • Permanente Messstellen für Luft-, Staub- und Grundwasser-Qualität sowie Erschütterung.
  • Die Dachbegrünung sorgt für Stabilität, bildet eine ökologische Insel im Quartier für Bienen und Vögel und beeinflusst anderseits den Klimahaushalt im Stadion selbst.
  • Fotovoltaikelemente zur Energiegewinnung.